Internationale Kishtwar Expedition

2016

"Erstbegehungen beeindruckender Granitgipfel inmitten des indischen Himalajas und zwar in der Kishtwar Region", das war ein mehrjähriger Traum von mir, welcher im September 2016 wahr wurde. Ein internationales Team: Tola aus Norwegen, der bereits fünfmal in Kishtwar war und eine sehr freundschaftliche Beziehung mit der lokalen Bevölkerung hat, Max, ein deutscher Bergführer und Spezialgebirgsjäger der Bundeswehr, sowie der Niederländer Eelco Roos und ich.

Das Kishtwar Gebirge, bestehend aus kompakten Granittürmen, ist sehr abgeschieden inmitten von Indien und nur für eine sehr kurze Zeit im Jahr begehbar. Von Anfang September bis ca Mitte Oktober ist die Zeit zwischen dem Monsun und den ersten Schneestürmen für Expeditionen. Sehr hohe logistische Kosten und die Tatsache, dass wir abgelegene und schwierige Gipfel ausgesucht hatten, führte dazu, dass wir eigentlich schon auf der Anreise am Verzweifeln waren. Mit 50kg Gepäck, welche wir über die Zeit tragen mussten, erreichten wir dann doch nach schweissreibenden Tagen und mehreren Pausen in Basislager (4350m) und die spektakuläre Kulisse: Granitnadeln in allen Richtungen und ein kleiner Gletscher lud uns zum Bouldern ein. Noch besser, wir waren die einzigen Menschen weit und breit und hatten das Gefühl, entdeckt zu haben.

Zuerst die nötigen Ruhetage zur Akklimatisation. Nebenbei erkunden wir die Umgebung, planen Routen und legen kleine Depots an, da uns klar ist, dass wir mindestens 1-2 Nächte in der Wand verbringen werden. Mehrere Versuche an den beeindruckenden Wänden bleiben erfolglos, dann wechselt das Wetter und viel Schnee bremst uns aus. Eelco und Tola legen trotzdem in einer steilen Eisrinne eine Erstbegehung hin und Max und ich klettern dann den "P5000" dessen Gipfel noch unbestiegen war, nach mehreren Tagen mit vielen seichten Schlaf im Portaledge und etwas Hunger wird dies zum einmaligen Erlebnis. Später mache ich noch eine Solo Erstbegehung an einem weiteren Nebengipfel auf leichten Gelände. Viel Zeit vergeht mit dem Warten auf besseres Wetter und trotzdem schaffen wir es, kurz vor unserem geplanten Rückflug, noch den Hauptgipfel "Cerro Kishtwar" (6155m) zu besteigen. Dafür verlassen Max und ich gerade mal für 2 Tage das Basislager, in einer alpinen Nonstop-Tour mit 2000 Höhenmeter Auf- und Abstieg klettern wir bis zum Gipfel.

Müde, aber sehr glücklich über diese extrem starke Erfahrung wandern wir nach mehreren Wochen im Basislager die 70km zurück zur "Zivilisation". Wir hatten Zeit, die Umgebung zu erkunden, uns auszutauschen und sind für die einmalige Erfahrung dankbar, ohne Stress auf solch abgelegenem Gelände klettern zu können.

Bilder von dieser Expedition finden sich in der Galerie auf Facebook.